St. Ulrich Steinekirch

Am Westende des Weilers Steinekirch auf einem Plateau hoch über dem östlichen Neufnachtal liegt die Filialkirche „St. Ulrich“ und gibt einen prächtigen Blick in das Tal frei. Der Name „staininunchiricha“ – „bei der steinernen Kirche“ deutet auf einen frühen, romanischen Steinbau als eine Saalkirche der ottonischen Zeit (939 – 1024) hin. 1239 wird in Urkunden ein „Ulricius de Stainkirch“ erwähnt, vermutlich Patroziniumsheiliger der Mutterkirche Steinekirch. Bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts war „St. Ulrich“ die Pfarrkirche für die umliegenden Orte, bevor die abseitige Lage die Verlegung des Pfarrsitzes nach Markt Wald zur Folge hatte.

Am Rande des natürlichen Plateaus nördlich der Kirche stieß man 1905 in fünf Metern Tiefe auf ein ungewöhnlich großes, wohl römisches Ziegelformat; dies und der alte Flurname „Steinriegel“ deuten auf römische Spuren hin. In der geschichtlichen Überlieferung fehlt jede Spur, dass sich ein Rittergeschlecht nach Steinekirch benannt hat und hier seine Burg gehabt hätte. Es müsste nur der 1358 als Bruder des Heilig-Geist-Ordens im Spital zu Augsburg dienende Ulrich von Stainkirch, ein Adliger, zu Steinekirch gehört haben. Der Flurname „Schlossberg“, der am Kirchberg haftet, muss nicht auf eine ehemalige Burg hinweisen.

Der einheitlich spätgotische Bau des ausgehenden 15. Jahrhunderts wurde um 1700 umgebaut. Schon 1695 wird von der Fassung des Hochaltars berichtet sowie von der Fertigung der Figuren der Hl. Anna und des Hl. Ulrich durch Ulrich Herzog aus Aichen. 1700 kamen zwei neue Seitenaltäre von Schreiner Jakob Merk, Markt Wald, dazu, die 1702 durch Michael Niggl, Hiltenfingen, gefasst wurden. Nachdem 1708 eine neue Holzdecke eingezogen worden war, wurde die Kirche 1713 geweiht. 1732 komplettierte der Glockenstuhl von Zimmermann Anton Wachter aus Markt Wald die Ausstattung der Kirche. Im späten 19. Jahrhundert fand eine Umgestaltung und Neueinrichtung statt. 1968 wurde die Kirche grundlegend restauriert.

Der wuchtige Sattelturm an der Nordseite des eingezogenen Chores, mit Sockel beinah sechs Meter im Geviert, in Mannshöhe einen Meter dreißig dick, hat die übliche Gliederung durch Lisenen und Kleeblattbogen-Friese und zweiteilige Schallfenster mit gemauerter Zwischenstütze und Segmentsturz. Die drei Gussstahlglocken von 1920 stammen aus Bochum. Der spätgotisch, rechteckige Turm besitzt im Erdgeschoss ein längsrechteckiges Kreuzgratgewölbe. Ein Quersatteldach schließt den Turm ab. Die Sakristei des 18. Jahrhunderts liegt südlich vom Chor, ist zweigeschossig und trägt ein Pultdach. Die insgesamt romanisierende Fresken- und Deckenmalerei wurde 1899 von Leonhard Thoma, München gefertigt und stellt im Langhaus an der Deckenmitte „Christus als König“ dar, in den Diagonalen die Evangelisten, über der Orgel die „heilige Cäcilia“. Altäre und Kanzel sind im Stil der Neuromantik gefertigt. Das Gestühl stammt von Jakob Merk aus Markt Wald und zeichnet sich durch Schleifwangen mit reicher Akanthusschnitzerei aus. Die Orgel ist ein spätklassizistisches Werk aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und trägt gotische Elemente. Das Instrument selbst wurde erst 1912 aufgestellt.

Michael Endler