St. Antonius Schnerzhofen

St. Antonius Schnerzhofen

Der Ortsteil Schnerzhofen liegt auf einer Anhöhe nordöstlich des Rotlachenweihers (oder auch „Schnerzhofer Weiher“) und gewährt einen offenen Blick in das Neufnachtal. Die erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1419 („schneherzhofen“, aus dem Althochdeutschen „snar“ = tapfer) zurück.

In die frühen Jahre des Barock fiel der originelle Bau der am Westrand der Ortschaft gelegenen Wallfahrtskirche „Sankt Antonius“. Der Anno 1668 geplante Kapellenbau wurde 1681, als die erforderlichen Mittel vorhanden waren, gebaut. „Auch ist in diesem Jahr die S. Antoni Capellen zu Schnertzhofen von dero Gemaind allda eigenen Ksten öerbaut worden.“ „Am PfingstafterMontag (Dienstag nach Pfingsten) ist die S. Antoni Capelli … Von ihro Hochfürst und Gnaden Herren Egloff von Westernach Weybischoffen zu Augspurg“ geweiht worden. Im Jahr 1686 ließ sich ein Eremit nieder. Über 100 Jahre kümmerte sich dieser und seine Nachfolger um die Kirchenpflege.

Der große Andrang frommer Wallfahrer allwöchentlich führte 1706 bis 1708 zur Erweiterung, die dem Bau sein heutiges, originelles Aussehen gab, den Details nach zu schließen zweifellos durch den Baumeister und Stukkator Matthias Stiller von Ettringen. 1717 bekam das Gotteshaus eine Kanzel von Schreiner Jakob Holderied aus Blonhofen. 1723 erhielt Michael Stiller 110 Gulden „an seinem noch restierenden Pauschilling“; Art und Umfang der Bautätigkeit ist nicht bekannt. Im mittleren 18. Jahrhundert wurde der Hochaltar aufgestellt, 1755 der Kreuzweg errichtet und von 1758 datiert sind die Fresken des Mindelheimers Franz Joseph Wiedemann.

An eine als Langhaus dienende Rotunde mit kurzen Querarmen schließt sich im Osten ein polygonal endender Chor an, der noch um die zweigeschossige Sakristei verlängert ist, im Westen die Eremitenklause mit Orgelempore darüber. Die Orgel im Neu-Rokokogehäuse stammt von Julius Schwarzbaur aus Mindelheim. Der Mittelabschnitt ist kreisrund mit Kuppelwölbung. In den Diagonalen befinden sich weit gestellte Paare korinthischer Pilaster mit Gebälkstücken, über denen das profilierte Gesims verkröpft ist. Der Chor umfasst zwei Joche mit dreiseitigem Schluss und ist mit einer Stichkappentonne auf Gesimskonsolen gewölbt. Im Chor-Westjoch sind große, oben und unten eingezogen rundbogige Fenster, ebensolche in den Querarmen über den Stichbogentüren. Der westliche Längsarm enthält im Untergeschoss den ehemaligen Wohnraum des Eremiten, mit zwei Rechteckfenstern im Süden. Die Sakristei östlich von Chorschluss besitzt oben und unten eingezogen rundbogige Fenster in Norden und Süden. Der westliche Längsarm (mit Klause und Empore) ist zwei, der östliche (mit Chor und Sakristei) drei Achsen lang. Reich gegliedert ist das Dach: über der Rotunde ein kegelförmiges Dach mit gerundeten Übergängen zu den gleich hohen Abwalmungen über den Querarmen und den niedrigeren, abgewalmt endenden Dächern der Längsarme. Das Rotundendach krönt über einem Profilgesims eine kegelförmige, leicht konkave Spitze. Auf den Firstenden der Längsarme sitzen Dachreiter mit quadratischem Sockel; ihr Obergeschoss achteckig mit geknickten toskanischen Pilastern, verkröpftem Gebälk und Zwiebelhaube. In der Mitte des hölzernen, in roten, grauen und violetten Tönen marmorierten Hochaltars kniet auf dem Tabernakel vor versilbertem Gewölk mit Strahlenkranz und rotem Vorhangsaum die Figur des heiligen Antonius von Padua vor dem Jesuskind.

Die Kapelle wurde mehrfach renoviert, u.a. 1903 und 1987/88 (unter der fachkundigen Regie von Kirchenmaler Toni Mayer aus Mindelheim). Seit der Außenrestaurierung 1972 hatte das Kirchlein schwer gelitten. Deshalb entschloss sich die Kirchenverwaltung zusammen mit der Diözese Augsburg im Jahr 1997 zu einer weiteren Außenrenovierung. Als die Finanzierung in Höhe von 175 000 DM Kosten gesichert war und sich auch die Einwohner zu freiwilligen Arbeitsstunden bereit erklärten, konnte begonnen werden. Als das Gerüst fiel, stand das „Käppala“ prächtig da, mitweißem Grund und klaren, ockerfarbigen Säulen- und Bogenstrukturen. Im Jahr 2004 wurde die der Innenraum zur Bekämpfung des Holzwurms begast.

Michael Endler