St. Josef Oberneufnach

Die Gründung Oberneufnachs reicht vermutlich in das 11. und 12. Jahrhundert zurück. In einem Gültbuch des Klosters St. Ulrich und Afra von 1443 erscheint erstmals „Obern Nyffnach“. Die Kapelle, die dem Hl. Josef geweiht ist, liegt in der Ortsmitte auf der Westseite der Neufnachtalstraße zwischen Kindergarten und neuem Vereinsheim.

Aus dem Jahr 1687 stammt vermutlich nur der Chor, während die anderen Bauteile wohl erst im 18. Jahrhundert errichtet wurden. Nicht erhalten ist die Kanzel, die Schreiner Jakob Merk 1696 fertigte und Ulrich Herzog aus Aichen fasste. 1718 erhielt ein Maler 18 Gulden, um die Kapelle zu tünchen. Die Details am Oberteil des Turmes weisen etwa in die Zeit der Weihe der Kirche (1720), die Details am Langhaus eher ins mittlere bis späte 18. Jahrhundert. Anno 1787 bemühte sich die Gemeinde im Zusammenhang mit der von Joseph II. verfügten Neueinteilung der Pfarreien in der Markgrafschaft Burgau um die Erlangung der Pfarrrechte, was abschlägig beschieden wurde. Im Zuge einer gründlichen Innenrenovierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt die Filialkirche drei Altäre. Eine gründliche Außenrenovierung fand 1984/85 statt.

Der eingezogene Chor mit dreiseitigem Schluss hat im Norden ein Rundbogenfenster, im Süden eine stichbogige Sakristeitür und eine rundbogige Oratoriumsöffnung. Der korbbogige Chorbogen ist beidseitig gefasst. Der Langhaussaal trägt über dem Profilgesims eine Flachdecke. Über den etwas höheren Chormauern erhebt sich ein einheitliches Satteldach, abgegrenzt durch gekehltes Traufgesims. Der südlich vom Chor gelegene Turm besitzt ein quadratisches Unterteil mit drei jeweils etwas verjüngten Abschnitten; im unteren Geschoss befindet sich die Sakristei mit gefasster Stichbogentür im Osten und zwei oben und unten eingezogenen rundbogigen Fenstern übereinander im Süden. Die neuromanischen Altäre zeigen bedeutende Holzfiguren, u.a. die bemerkenswerteste: die heilige Barbara, Anfang des 16. Jahrhunderts entstanden, wohl ulmisch, mit malerischem Faltenwurf, vermutlich vom ehemaligen Hochaltar in Markt Wald stammend.

Mit dem Bau des nahe gelegenen Schulhauses Oberneufnach wurde im Sommer 1901 begonnen, zum 1. Oktober 1902 konnte die neue Schule bezogen werden. Das Vorhaben kostete samt Platzkauf 26 000 Mark. Grundaushub und Transporte übernahmen die Bürger im „Frondienst“. Zugleich schied Oberneufnach aus dem Schulsprengel Markt Wald aus, der nun nur noch aus Markt Wald und Anhofen bestand. Seit Herbst 1972 besuchen die Schulkinder aus Oberneufnach die neue Grundschule in Markt Wald. Deshalb wurde das Gebäude einer neuen Verwendung zugeführt. Im Dezember 1977 zog der Kindergarten St. Josef ein. Nach alten Plänen restaurierte die Gemeinde das alte Schulhaus und als im Herbst 1982 die Gerüste gefallen waren, besaßen die Oberneufnacher einen neuen kulturellen und gesellschaftlichen Mittelpunkt, in dem der Tischtennis- und der Schützenverein, der örtliche Musikverein sowie die Damen-Gymnastikgruppe und der „Käppele-Chor“ ihre Übungsstunden abhielten, bis im November 2002 das neue Vereinsheim die Tischtennisspieler und Schützen aufnahm.